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Adipositas, Binge-Eating-Störung: "genetics loads the gun but the environment pulls the trigger"

Heute geht es auf dem DGVT-Kongress um Essstörung, darunter die Binge-Eating-Störung, aber auch um Adipositas.


Berichtet werden die Risikofaktoren für Adipositas wie zum Beispiel ein geringer sozioökonomischer Status. Eine sehr große Rolle spielen im Sinne des biopsychosozialen Modells die sozialen Faktoren: Die Zunahme an Wohlstand in einer Gesellschaft korreliert mit der Zunahme an krankhaftem Übergewicht. Weitere biochemische Faktoren sind zum Beispiel: Menschen können sehr leicht zunehmen, aber schwer abnehmen. Es gibt eine komplexe multifaktorielle Verursachung. Bei Adipositas spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle: "genetics loads the gun but the environment pulls the trigger".


Bei der Binge-Eating-Störung nimmt man zudem auf der neuropsychologischen Ebene Probleme in den Exekutivfunktionen an: Eine geringe Inhibition, ein schnelles intensives Ansprechen auf Belohnungen.


Binge-Eating-Störung

Die Dozentin Prof. Dr. Anja Hilbert berichtet dann über die Binge-Eating-Störung. Die ICD-11 unterscheide sich in einem Punkt, nämlich der Definion von Essanfällen, wesentlich vom DSM-5 bei der Binge-Eating-Störung: Subjektive Essanfälle (Kontrollverlust) nach ICD-11 vs objektive Essanfälle (Menge) nach DSM-5.



Metaanalysen zeigen, dass eine Form der Psychotherapie den größten Wirksamkeitsnachweis hat: Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Angeleitete Selbsthilfe zeigte sich ebenfalls als wirksam, jedoch weniger wirksam als eine KVT. Die bekannteste angeleitete Selbsthilfe richtet sich nach dem Buch "Essattacken stoppen" (Christopher G. Fairburn).


Wird die beste verfügbare Behandlung angeboten für die Binge-Eating-Störung, kann man ca. 50% aller Menschen mit dieser psychischen Störung helfen, berichtet A. Hilbert.


Wie kann man erkennen, ob eine Psychotherapie funktioniert? Der wichtigste Mediator ist "Rapid Response": Wenn Patient*innen innerhalb der ersten 4 Wochen Psychotherapie eine deutliche Symptomreduktion (Abnahme der Essanfälle) haben.


In der anschließenden Diskussion berichteten Psychotherapeut*innen, dass viele Patient*innen unter Gewichtszunahme als Nebenwirkung eine Psychopharmakotherapie der Depression leiden. A. Hilbert berichtet, dass in diesen Fällen die behandelnden Psychiater*innen die Vorteile und Nachteile der Pharmakotherapie gemeinsam mit den Patient*innen abwägen sollten. Teilweise könne ein anderes Arzneimittel sinnvoll sein, beispielsweise würden die so häufig eingesetzten SSRI wie Fluoxetin langfristig gewichtsanstoßend wirken, während dies bei Bupropion nicht der Fall sei.


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