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Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

Die Wellen

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie ist ein Ansatz innerhalb der Verhaltenstherapie. Sie wird der "dritten Welle" der Verhaltenstherapie zugerechnet.


Ursprünglich entstand die Verhaltenstherapie aus der bewussten Abkehr von psychoanalytischen Annahmen wie dem "Unbewussten", die naturwissenschaftlich grundsätzlich nicht erforscht werden konnten. Deswegen wurde das Verhalten von Lebewesen betrachtet, das sichtbar war und naturwissenschaftlich erforschbar. Die Lerngesetzte bildeten die Grundlage der Erklärung und der Vorhersage von Verhalten, zum Beispiel die operante Konditionierung.


Ab den 1970ern verließen Verhaltenstherapeut*innen die Beschränkung auf dieses Gebiet und beachteten nun zusätzlich nicht-sichtbares Verhalten wie das Denken und Fühlen. Das Verändern von Bewertungen (kognitive Umstrukturierung) wurde eine neue wesentliche Methode, wodurch die Verhaltenstherapie fortan als Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bezeichnet wurde. In dieser Zeit entstanden sehr viele störungsspezifische Ansätze der KVT, deren Ansatzpunkt die spezifischen aufrechterhaltenden Mechanismen einer bestimmten spezifischen Störung waren. Zum Beispiel berücksichtigt die Verhaltenstherapie bei der Sozialen Angststörung, dass Betroffene sehr häufig Sicherheitsverhalten und Selbstaufmerksamkeit zeigen, welche zur Aufrechterhaltung der Angststörung beitragen - und setzt an diesen Punkten an für die Veränderungsarbeit.


Die KVT wurde zu dem mit weitem Abstand am meisten wissenschaftlich untersuchten Verfahren zur Behandlung psychischer Störungen.


Die dritte Welle

Etwa ab den 1990er Jahren kamen neue Ansätze dazu, die sich sowohl von der klassischen, als auch von der kognitiven Verhaltenstherapie unterschieden. Statt die Therapie auf den Inhalt der Gedanken auszurichten, war ein neuer Ansatz, den Umgang mit Gedanken in den Vordergrund zu stellen (Metakognitive Therapie). Zu den Entwicklungen gehörte die

Schematherapie nach Young, die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan, Mindfulness-Based Stress Reduction (MBCT), Compassion-Focussed Therapy. Wie der Name ACT schon andeutet, verwiesen Steven Hayes und seine Kolleg*innen einerseits auf Akzeptanz als wichtiges Element einer erfolgreichen Therapie und andererseits auf Werte. Commitment (engl.) bedeutet so viel wie die innere Festlegung, etwas mit Hingabe und Engagement zu tun.

Was ist anders bei ACT?

ACT unterscheidet sich in einigen Punkten von der "herkömmlichen" kognitiven Verhaltenstherapie:

  • ACT ist betont transdiagnostisch. ACT verabschiedet sich davon, das therapeutische Vorgehen nach den herkömmliche Einteilung psychischer Störungen nach ICD / DSM abzuleiten.

  • ACT baut auf dem wissenschaftsphilosophischen Fundament des funktionalen Kontextualismus auf. Diese Idee geht zurück auf den Begründer der Psychologie in den USA: William James. Er sprach ganz einfach vom Pragmatismus.

Was ist damit gemeint? ACT fokussiert primär nicht auf die Informationseinheit "Diagnose", also zum Beispiel auf das Konstrukt "Soziale Angststörung" - entscheidend ist die Handlung im Kontext. Dazu sind die zwei Grundfragen von ACT:


Wofür?

Ist ein Verhalten funktional oder dysfunktional, hilfreich oder nicht hilfreich? Diese Frage kann man nur beantworten, wenn man weiß, wofür das Verhalten ausgeführt wird. Zu Ende gedacht bedeutet dies: Wofür man leben möchte, kann keine ICD der WHO und kein DSM der APA einem Menschen sagen. Jeder Mensch kann nur selbst entscheiden, wofür er leben möchte. Aus dieser Betrachtung heraus gibt es per se nicht so etwas wie "Problemverhalten".


Funktioniert's?

Hat dieses Verhalten zum gewünschten Ergebnis geführt? Wenn ja, für wie lange? Was sind die "Nebenwirkungen" dieses Verhaltens? Wenn eine Person immer wieder dieselben Verhaltensweisen nutzt, um einen Zweck zu erreichen, dabei aber den Zweck verfehlt, dann funktioniert das Ganze offensichtlich nicht. ACT bringt Menschen in Kontakt mit den Konsequenzen ihrer bisherigen Strategien. Das ist ein Prozess, der als "kreative Hoffnungslosigkeit" bezeichnet werden kann: Zunächst die Erkenntnis, dass bisherige Problemlösestrategien nicht funktionieren; das Aufgeben der Hoffnung, dass Unmögliches doch irgendwie möglich ist (Hoffnungslosigkeit); aus der darauf eintretende Ratlosigkeit erwächst die Notwendigkeit, nach anderen, neuen Möglichkeiten kreativ zu suchen.


 

Kontrolle und Vermeidung

Menschen zeigen nicht selten Vermeidungsverhalten mit dem Zweck, das Erleben unangenehmer Emotionen zu vermeiden und zu kontrollieren (Erlebnisvermeidung). Oftmals funktioniert dies auch - kurzfristig. Aus Problemlösestrategien können sich auf Dauer ungünstige Verhaltensweisen entwickeln, die das Leben einengen.


ACT zeigt Menschen weitere Weg auf, um mit schmerzhaftem Erleben umzugehen - damit es nicht nur einen einzigen Weg (das Vermeiden-Müssen) gibt.

 

Psychische Flexibilität

ACT möchte Menschen helfen, adaptiv mit Herausforderungen des Lebens umzugehen, das Verhalten anzupassen und an den eigenen Werten auszurichten. Das wird psychische Flexibilität genannt. Dieses zentrale Konstrukt besteht aus drei Säulen und sechs Kernprozessen:


Offen sein

Bewusst sein

Engagiert sein

Akzeptanz

Hier und Jetzt

Werte

Defusion

Selbst als Kontext / Perspektivübernahme

Engagiertes Handeln

Akzeptanz


Zunächst ist es wichtig, zu bestimmen, was Akzeptanz nicht ist und bedeutet:

  • Akzeptanz ist nicht Tolerieren, Resignieren oder passives Erdulden.

  • Niemand kann gezwungen werden zur Akzeptanz

  • Niemand muss Akzeptanz haben gegenüber schmerzhaften Gefühlen.

Akzeptanz ist aber nützlich: Die aktive Bereitschaft, alle Gefühle so anzunehmen, wie sie sind. ACT bietet die Möglichkeit, das Akzeptanz-Verhaltensrepertoire von Menschen zu vergrößern.



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