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Warum Evidenzbasierung so wichtig ist

Ein evidenzbasiertes Vorgehen ist für alle Bereiche im Gesundheitssystem von größter Wichtigkeit. Dabei ist dieses Ziel, dass sich Diagnostik und Behandlung von Gesundheitsproblemen nach der besten Evidenz richten, noch lange nicht erreicht: Viele Vorgehensweisen basieren auch heute noch mehr auf Glauben, als auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.


Die Gesundheitskurse, in denen jede*r lernen kann, psychische Erste Hilfe zu leisten (MHFA-Ersthelfer) sind evidenzbasiert. Das war für mich der entscheidende Grund, diese Kurse anzubieten.


Eine wichtige Institution für ein evidenzbasiertes Gesundheitssystem ist Cochrane. Die Cochrane Reviews sind hervorragende Quellen, die Evidenz über Diagnostik und Therapie öffentlich zugänglich machen.


Eminenz-basiert statt Evidenz-basiert

In den vergangenen Jahrhunderten waren es vor allem einzelne Menschen (Männer), die neue Therapien entwickelten und verbreiten konnten durch ihr Ansehen als Professoren. Man glaubte ihnen aufgrund ihres Ansehens, ihrer Professoren- und Doktortitel. Sie hatten das Glück, dass sie nicht nach den Maßstäben der heutigen Wissenschaft beweisen mussten, ob ihre Erkenntnisse über den Menschen oder Therapie auch wirklich stimmten.


Klingt logisch - ist trotzdem falsch

Ein berühmter amerikanischer Kinderarzt, Dr. Spock, verbreitete viele Jahre lang ab den 1950ern, es habe große "Nachteile, wenn ein Baby auf dem Rücken schläft. Zum einen kann es, wenn es erbricht, an dem Erbrochenen ersticken"; deswegen "sollte man ein Baby daran gewöhnen, von Anfang an auf dem Bauch zu schlafen". Diese plausibel klingende Überlegung des Arztes wurde zur gängigen Praxis; sie basierte nie auf wissenschaftlicher Evidenz, sondern darauf, dass sich das der Arzt ausgedacht hat. Dieser Glaube an eine logisch klingende Gesundheitsaussage hat zum Tod von tausenden Kindern auf der Welt beigetragen. Wie wir heute wissen ist das Gegenteil dessen richtig, was der Arzt sagte. Es gehört zu den wichtigsten Maßnahmen um einen plötzlichen Kindstod (SIDS, Sudden Infant Death Syndrom) zu vermeiden, dass Säuglinge immer auf dem Rücken und im Babyschlafsack schlafen.


Evidenz zum Nachlesen

Evidenzbasierte Informationen bietet die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dazu gehört auch das oben genannte Thema, die Leitlinie zur Prävention des Plötzlichen Säuglingstods. Wie wichtig und erfolgreich Evidenzbasierung im Gesundheitssystem ist, kann man erahnen beim Blick auf diese Grafik:



take-home message

Nur weil eine Therapie etabliert ist im Gesundheitssystem, bedeutet das nicht, dass sie wirklich hilft oder sogar mehr schadet. Das zeigt ein weiteres Beispiel: Thalidomid wurde 1957 als eine vermeintlich sichere Alternative zu den damals üblichen Schlafmitteln auf den Markt gebracht und als ungefährlich beworben. das Schlaf und Beruhigungsmittel wurde zu einem Bestseller in den 1960ern. Jedoch: Geburtshelfer*innen bemerkten einen starken Anstieg von schwer missgebildeten Armen und Beinen bei Neugeborenen - man fand einen Zusammenhang mit Thalidomid (Contergan).


Literaturtipp

Evans et al. (2013): Wo ist der Beweis? Plädoyer für eine evidenzbasierte Medizin. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Gerd Antes.



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