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Innovative Versorgungsansätze der Depression im Kindes- und Jugendalter

Beim DGVT-Kongress 2023 behandelt ein Symposium von Nele Dippel, Florian Onur Kuhlmeier, Stefan Lüttke und Sara Kaubisch "Innovative Versorgungsansätze der Depression im Kindes- und Jugendalter".


Mangelnde Wirksamkeit von Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen

Die Wirksamkeit von Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit depressiven Erkrankungen zeigt leider deutlich geringere Effektstärken im Vergleich zur Psychotherapie für Erwachsene.

Außerdem zeigen neue Studien, dass die Wirksamkeit von Psychotherapie noch weiter gesunken ist in den vergangenen Jahren, das zeigen Weisz et al. 2019:


Daher bedarf es dringend wirksamerer Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit Depression.


Das Infoportal"ich bin alles"

"ich bin alles" ist ein webbasierter Leitfaden für Kinder und Jugendliche mit Depression und ihre Angehörigen. Sie stammt von der LMU München in Kooperation mit der Beisheim Stiftung. Die Beisheim Stiftung fördert auch weitere innovative Ansätze wie MHFA Ersthelfer: Kurse für psychische Gesundheit. Ein Teil von "ich bin alles" adressiert Kinder und Jugendliche, ein anderer Teil richtet sich spezifisch an die Bezugspersonen (Eltern). Verbreitet werden evidenzbasierte Informationen über Depressionen, hierzu wird die wissenschaftliche S3-Leitlinie als Quelle benannt.



Von "ich bin alles" berichtete Sara Kaubisch von der LMU München. Ein RCT zeigt, dass "ich bin alles" zu einem Wissenszuwachs bei Nutzer*innen führt über Depressionen einschließlich Selbsthilfestrategien.



CBASP@YoungAge

Zu den innovativen Ansätzen gehört CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy), das zu einem modularen, individualisierten Therapieprogramm für Kinder und Jugendliche: CBASP@YoungAge. Es beinhaltet die Behandlung von depressiven Symptomen, mit zusätzlicher Adressierung der daraus resultierenden interaktionellen Schwierigkeiten mit primären Bezugspersonen wie den Eltern. Sie unterscheidet sich dennoch deutlich von der Interpersonellen Therapie (IPT) hinsichtlich des Therapierationals und der Beziehungsgestaltung, berichtet Nele Dippel.


"Bei CBASP@YoungAge beziehen wir die Bezugspersonen aktiv in die Psychotherapie mit ein. Kinder und Jugendliche leben mit ihren Eltern oder mit den Erzieher*innen einer einer Jugendhilfeeinrichtung zusammen. Auch sie zu erreichen ist sehr wichtig"


Gerade zu Therapiebeginn wird mit einer hochfrequenten Behandlung gestartet, um schnelle Behandlungserfolge zu ermöglichen. In der Einführungsphase geht es beispielsweise um die Psychoedukation, in der die "interpersonelle Mauer" erarbeitet wird (eine Frage hierbei an Patient*innen heißt: Was hat mich dazu gebracht, dass ich den Eindruck habe, nichts in meiner Welt bewegen und erreichen zu können?).


Das Modul "Kiesler-Kreis-Familientraining" ist ein zentraler Baustein. Dieses Modul hat die Verbesserung der intrafamiliären Kommunikation zum Ziel.




Chatbots zur Behandlung depressiver Störungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Chatbot "Cady"


Florian Onur Kuhlmeier berichtet über das Forschungsprojekt „Cady“: Ein Chatbot für Jugendliche und junge Erwachsene mit depressiven Störungen. Cady steht für A Conversational Agent to Treat Depression in Young People. In einer ersten kleinen Studie zeigten sich vielversprechende Ergebnisse.


Florian Onur Kuhlmeier berichtete auch in einem Beitrag in der ARD über diese Entwicklung. Der mit Abstand bekannteste Chatbot ist Woebot. Weitere kommerzielle Chatbot-Apps seien Wysa und Youper.



Wie weiter nach der Klinik? Poststationäre Nachsorge 4.0 für Jugendliche und junge Erwachsene mit depressiven Störungen: Das Leuchtturmprojekt „iCAN“

Die Zahl der Klinikbehandlungen wegen einer Depression ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen erheblich angestiegen. Viele dieser Fälle sind Rehospitalisierungen, die auf eine unzureichende ambulante Therapie zurückzuführen sind. Dieser Drehtüreffekt führt zu enormen Belastungen für das Gesundheitssystem (Greiner et al., 2019). Das Projekt iCAN soll dem entgegenwirken. iCAN steht für intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge. Es ist mit 3,6 Mio. EUR vom G-BA Innovationsfonds gefördert. iCAN ist eines der größten Projekte zur Verbesserung der Versorgung junger Menschen mit Depression in Deutschland, berichtet Stefan Lüttke.



iCAN ist ein blended-care Nachsorgeangebot, das Patient*innen im Anschluss an die stationäre Behandlung für 3 Monate nutzen. iCAN kombiniert eine Smartphone-App (KVT-basierte Trainingsmodule) mit einem Telefoncoaching durch zertifizierte E-Coaches. Die Zusammenstellung des Trainingsplans erfolgt KI-gestützt, die App-Nutzung wird von einem Chatbot names Quinn begleitet. Ziele von iCAN sind:

(a) die stationär erreichten Therapieerfolge zu stabilisieren.

(b) Patient*innen nach stationärer Behandlung zeitnah an ein passendes ambulantes Nachsorgeangebot anzubinden.




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