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Verdrängt Kummer die Depression in den Psychotherapiepraxen?

Erst veröffentliche das ZDF einen Beitrag am 27.01.2023 namens "Dauerpatient" Psychotherapie.


Darauf folgte ein Tag später auf dem Titel der FAZ - Printausgabe vom 28.01.2023 ein Artikel von Sebastian Eder: "Kummer verdrängt Depression" in den Psychotherapiepraxen.


Sebastian Eder führt Josef Hecken an, der heftig kritisiert wurde für eine Äußerung von vor 10 Jahren: Es brauche nicht bei jedem psychischen Problem eine Psychotherapie, manchmal helfe auch schon eine Flasche Bier. Hecken entschuldigte sich anschließend, er habe nur sagen wollen, dass nicht jede Befindlichkeitsstörung eine psychische Störung mit Krankheitswert darstelle für die Psychotherapie wirksamer sei als andere Maßnahmen außerhalb des Systems der Krankenversicherung.


Sebastian Eder meint, Psychotherapeut*innen würden zu selten schwer psychisch kranke Menschen behandeln. Vertreter*innen der Berufsverbände halten dagegen: Die Aussagen von Eder seien längst widerlegt, das zeige zum Beispiel der "Report Psychotherapie" des Berufsverbandes DPtV:



Für seinen Artikel erhielt Sebastian Eder sehr viel Kritik von Psychotherapeut*innen. Daraufhin veröffentlichte er auf seinem Twitter-Profil am 03.02.2023 weitere Informationen zum Thema Psychotherapieplätze: Ein Klinikarzt habe im Gespräch mit ihm gefordert, dass unabhängige Diagnosestellen Therapieplätze vergeben. Diese Idee gab es bereits vor einigen Jahren, woraufhin es unmittelbar zu einer großen Protestaktion mit Unterschriftenlisten kam.


YAVIS-Patient*innen


Es gibt immer wieder das Gerücht, dass Psychotherapeut*innen bevorzugt YAVIS-Patient*innen behandeln und nur Patient*innen mit leichter Beeinträchtigung von Psychotherapie profitieren. YAVIS steht für:

  • Young

  • Attractive

  • Verbal

  • Intelligent

  • Successful


Der Psychotherapie-Forscher Wolfgang Lutz berichtet, dass in seiner TK –Studie mit 1708 Patient*innen und 245 Psychotherapeut*innen sich die ambulante Psychotherapie als effektives Verfahren bei deutlich psychisch belasteten Personen herausstellte. Ambulante Patient*innen hatten im Schnitt Belastungswerte im klinischen Bereich vergleichbar mit stationären Patient*innen.


Es gibt viele Studien (Hollon, DeRubeis, Castonguay, Oltmanns, Barkham) zur Wirksamkeit von Psychotherapie bei schwer belasteten Patient*innen.


Rückblick

Die Argumente in dieser Debatte sind nicht neu. So berichtete rbb24 im Jahr 2022: Lange Wartezeiten in der Psychotherapie. Zu kurze Praxisöffnungszeiten sind Teil des Problems. In diesem Artikel sagt Ann Marini vom Gemeinsamen Bundesausschuss:


Von Krankenkassen hört man außerdem immer wieder, dass es Therapeut:innen gibt, die einen ganzen Kassensitz haben, den nicht voll ausnutzen. Die machen nebenbei noch Beratung und Coaching. Und das ist für die individuelle Lebensplanung vollkommen in Ordnung – für die Versorgung ist das aber ein Problem.

Auch auf diese Veröffentlichung hin gab es heftige Kritik, dass der Marini vom G-BA gezielt Falschinformationen verbreite. Dabei gibt es auch innerhalb der Psychotherapeut*innenschaft Unzufriedenheit: Judith Kunde veröffentlichte ihren Standpunkt 2022 in Reaktion auf die Sendung ZDF Magazin mit Jan Böhmermann:

PTKammer Berlin, Versorgungslücke Psychotherapie
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Die Debatte dreht sich im Kreis

Meiner Meinung nach dreht sich die Debatte um den Mangel an Therapieplätzen seit Jahren im Kreis. Auf die Äußerung einer Person folgt zuverlässig der Vorwurf der Lüge. So werfen sich die Psychotherapeutenverbände einerseits und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung andererseits öffentlich vor, systematisch Lügen zu verbreiten. Relativ neu ist, dass beide Seiten anhand von objektiv wirkenden Zahlen versuchen, ihren Standpunkt zu belegen, wie zuletzt der GKV-SV im Jahr 2022: Eine Studie habe gezeigt, dass manche Patient*innen nicht zufrieden gewesen seien mit ihrer Psychotherapie. Reaktion: Dem GKV-Spitzenverband wurde vorgeworfen, die Studiendaten bewusst verfälscht wiederzugeben. Ein weiteres Beispiel für eine solche Auseinandersetzung ist der Vorwurf des GKV-Spitzenverbandes, dass viele Daten über Psychotherapie in Deutschland nicht transparent gemacht werde. Reaktion des Berufsverbandes: https://www.dptv.de/aktuelles/meldung/psychotherapie-mythen-und-fakten-gkv-zu-patientenversorgung/



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