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Parentifizierung

Parentifizierung ist ein Begriff und Konzept unter anderem aus der Familientherapie, mit dem meistens gemeint ist, dass ein Kind eine nicht-kindgerechte „Eltern-Rolle“ einnimmt. Besonders in der sogenannten strukturellen Familientherapie nach Salvador Minuchin wird Parentifizierung als Missachtung von Generationsgrenzen beschrieben. Die Vorstellung ist:


Die Eltern bilden als Paar ein Subsystem, sie müssen sich gemeinsam um die Erziehung der Kinder kümmern. Kinder bilden im Familiensystem ein weiteres Subsystem. Zwischen den Subsystemen müssen klare Grenzen geschaffen und beachtet werden. Grenzen zwischen Generationen dürfen nicht verwischt werden.



"Von Parentifizierung wird gesprochen, wenn von Kindern in der Familie anhaltend grob altersunangemessene, instrumentelle oder emotionale Versorgungs- bzw. Unterstützungsleistungen gegenüber einer Elternfigur erwartet werden (Boszormenyi-Nagy / Spark 1981). Das Phänomen wird auch als Rollenumkehr oder Störung bzw. Diffusion der Generationengrenzen in der Familie bezeichnet und tritt gehäuft, wenngleich nicht regelhaft bei den Kindern von Eltern mit schweren (psychischen) Erkrankungen, insbesondere Suchterkrankungen, oder schweren psychosozialen Belastungen auf. Weiterhin kann es eine Begleiterscheinung von innerfamiliärem sexuellem Missbrauch oder körperlicher Kindesmisshandlung sein (z.B. Graf / Frank 2001, Macfie et al. 1999). Das Auftreten von Parentifizierung wird begünstigt, wenn ein Elternteil ähnliche Erfahrungen in der eigenen Kindheit machen musste (z.B. Jacobvitz et al. 1991). Forschungen zu den Auswirkungen von Parentifizierung haben mittels erster Längsschnittstichproben Hinweise darauf erbracht, dass Parentifizierung im Mittel eine erhebliche emotionale Belastung für Kinder darstellt (z.B. Jacobvitz et al. 2004) und die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben behindern kann (z.B. Fullinwider-Bush / Jacobvitz 1993). Die gefundenen moderaten Effektstärken legen es aber nicht nahe, Parentifizierung für sich genommen regelhaft als Kindeswohlgefährdung zu verstehen (für Forschungsübersichten s. Earley / Cushway 2002, Graf / Frank 2001, Chase 1999). Jedoch deuten Fallberichte und retrospektive Untersuchungen aus der klinischen Literatur darauf hin, dass in einigen schweren Fällen, meist im Zusammenwirken mit weiteren Belastungen, gravierende Entwicklungsbeeinträchtigungen auftreten können"

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